Bier
Online-Shop
Pogorausch GbR – die Firma
Aktionen
Do It Yourself
Texte
Bilder
Videos
Gästebuch
Kontakt und Impressum

Pogopolitik gegen Nazis: Das Grauzone-Problem

Pogorausch versteht sich als antifaschistische Biermarke. Daher werden wir in einigen Artikeln darstellen, wie wir uns Antifaschismus konkret vorstellen, insbesondere angesichts oft schwer zu erkennender Nazis, die sich auf unsere Konzerte schleichen. Diese Arschlöcher haben da nichts zu suchen – und die, die es versucht haben, haben auch gespürt, dass militanter Antifaschismus Schmerzen erzeugt. Zugleich hat Pogorausch aber mit Brille einen ehemaligen Fascho aufgenommen, damit er die Konzerte organisiert. Das hat zu einiger Verwirrung geführt.
An dieser Stelle veröffentlichen wir eine Stellungnahme von Brille, in der er sich klar von seiner Vergangenheit distanziert und sich zu eindeutig antifaschistischer Konzertpolitik bekennt. Es lohnt sich aber auch, den Text von Peter Seyferth zu lesen, in dem er dafür plädiert, Antifaschismus nicht als Krieg gegen Personen zu verstehen, sondern als Kampf um die Herzen, der auch gewonnen werden kann – wodurch echte Ex-Nazis entstehen, die dann nicht mehr bekämpft werden sollten.

Authentischer Ausstieg und antifaschistische Konzertpolitik

Nachdem Peter Seyferth (hier) und Peter Punk (folgt noch) bereits ihr Statement abgegeben haben und wohl auch eines von mir erwartet wird, möchte ich in den folgenden Zeilen meinen Standpunkt zum Thema Pogorausch sowie diversen Problematiken klar manifestieren. Da in den vergangenen Jahren immer wieder Gerüchte gestreut und mir oft das Wort im Mund verdreht wurde, versuche ich nun hier in aller Klarheit und Einfachheit das zu erläutern, was die Wahrheit ist und hoffe inständigst, dass nicht schon wieder jemand versucht, das Geschriebene ins Gegenteil umzukehren.

Beginnen möchte ich mit meiner Person: JA ich war ein Fascho, war Mitglied der heute verbotenen Vereinigung »Skinheads Allgäu«, und NEIN ich bin nicht stolz auf meine Vergangenheit. Ich war damals jung und dumm! Gerade deswegen möchte ich mit diesem Thema offen umgehen und es auf gar keinen Fall totschweigen. Alle Menschen, seien sie von Bands, von Labels, meine Freunde, oder selbst Leute die mir negativ gesinnt sind, wissen über meine Vergangenheit Bescheid. Ich stieg Ende 1996/Anfang 1997 aus der braunen Szene aus. Seit diesem Tag habe ich weder Kontakte zu »alten Freunden« noch habe ich sonst irgendeine Berührung zu Menschen mit dieser Gesinnungsrichtung. Ich habe meine Lektion gelernt und möchte in keinster Weise mit solch menschenverachtenden Individuen in Kontakt treten!

Leider sind nach wie vor unzählige Gerüchte beziehungsweise schlecht recherchierte Halbwahrheiten im Umlauf. Auf einige möchte ich, der Veranschaulichung halber, genauer eingehen:
Ich war NIE Kassenwart vom Verein Skinheads Allgäu, hatte zu keinem Zeitpunkt Zugang zum Vereinskonto, und konnte demzufolge auch keine Gelder veruntreuen. Das gesamte Vereinsvermögen wurde nach dem Verbot des Vereines vom Staat beschlagnahmt. Vorangegangenes lässt sich komplett im Vereinsregister und diversen Artikel der Presse nachrecherchieren.
Zudem habe ich angeblich den »Nazi«-Jugendclub Würfel in Freiberg mit aufgebaut. Ebenfalls falsch, der stand schon und wurde von der Stadt Freiberg selbst ausgebaut und den Skins zur Verfügung gestellt. Ich habe lediglich während meiner Zeit als »Neo-Nazi« wenige Male dort eine Party besucht, hatte sonst aber mit dem Club bzw. dessen Gestaltung o.ä. nichts zu tun.
Die Liste der Lügen, Gerüchte und Vermutungen wäre vermutlich zu lang, um hier auf alles genauer einzugehen. Ich will hier auch nichts schönreden oder verschweigen. Meine Vergangenheit ist natürlich da und ebenso natürlich ein Teil von mir auf den ich, wie schon gesagt, NICHT stolz bin und ja, ich werde mich immer offen zu diesem Thema äußern und möchte niemandem etwas vorenthalten, der sich mit mir darüber unterhalten möchte.

Und wenn ich so was höre oder lese, wie beispielsweise die »Richtlinien für Aussteiger«, frage ich mich ernsthaft, wer sich anmaßt so etwas zu verfassen und frage mich ebenso inwieweit sich der Verfasser mit dem Thema beschäftigt hat bzw. inwieweit der Verfasser sich im Bilde über die realen Umstände der Aussteigerproblematik ist. Durch solche »Richtlinien« verbaut man den Leuten, die wirklich aussteigen wollen, den Weg... wenn das nicht so traurig wäre, würde ich selbst drüber lachen.

Ich habe im Laufe der letzten Jahre oft genug als Türsteher gearbeitet, auch in sehr linken Läden wie z.B. im Kafe Marat, in der Glockenbachwerkstatt, im Kafe Kult... bis hin zu großen Clubs wie dem Backstage, und das immer mit der ehrlichen Absicht, Faschisten sowie rechtsoffene Troublemaker vom friedlichen Publikum fernzuhalten.
Ich stehe offen da, bekenne mich zu meiner Vergangenheit, zeige aber auch gleichzeitig, dass ich heute ganz woanders stehe.
Ich habe sogar versucht, mit der Roten Hilfe/Antifa/AIDA Kontakt aufzunehmen, hätte denen gern Rede und Antwort gestanden. Ich wollte mich nicht reinwaschen, sondern einfach meinen Standpunkt darstellen und glaubhaft vermitteln, wo ich heute stehe. Ich wurde aber mit den Worten: »Soll das ein Witz sein, verpiss dich zurück zu deinen Nazi-Freunden!« abgewiesen. Bei so einem Gespräch hätte man mir auf den Zahn fühlen können, mich testen und sich ein Bild von mir machen können. Stattdessen schreibt man lieber fleißig weiter anonyme Hetz-Texte über und gegen mich und alle die mit mir zu tun haben. Ohne hiermit Sympathiepunkte für mich selbst sammeln zu wollen: versteht ihr was ich meine?
Gerade in solch schwierigen Situationen wäre es durchaus sinnvoll, mit ein wenig Empathie und Offenheit in solche Gespräche zu gehen, auf beiden Seiten.

Nun zu Pogorausch. Ich bin mit einigen Teilhabern von Pogorausch seit geraumer Zeit befreundet und so kam es dazu, dass ich für Pogorausch Konzerte veranstalte und dieses auch weiterhin tun werde. Unsere Konzert-Politik ist ganz klar antifaschistisch.

Irgendwer spinnt extrem persönliche Hasstiraden gegen mich, meine Crew, die Lokalitäten, die Bands – einfach alles! Wenn ich lange genug im Müll wühle, finde ich bei jedem eine »Leiche im Keller«, Band A hat mal mit Band B gespielt, Band B wohnt im gleichen Stadtviertel wie Band C (und diese ist rechtsoffen), außerdem hat Band D und Veranstalter E und Label F schon mal auf dem Festival X gespielt oder nen Stand gehabt... also alle Bands sind böse. Spielen aber Bands, die auf meinem Festival auftraten oder als Gäste anwesend waren, auf einem anderen Festival mit vielen politisch korrekten Band, sind sie nicht mehr böse... Ich kann es nicht mehr hören. Es gibt unter anderem auch eine Band aus Süddeutschland (Namen lasse ich jetzt bewusst weg) die gerade als DIE antifaschistische Vorzeigeband gefeiert wird. Dass sie aber auch schon Onkelz/Endstufe-Texte gecovert hat, als sie selbst noch keine eigenen Songs hatte, oder vor kurzem, um ihre Karriere zu fördern, auf sogenannten Grauzonen-Festivals in Sachsen oder Berlin mit sogenannten Grauzonen- oder RAC-Bands auftrat, bzw. auf ein solches Label ging, wohl wissend was sonst noch für Bands dort unter Vertrag sind... Heute wollen die alle nichts mehr davon wissen!
Seid ehrlich zu euch selbst!

Ich/wir recherchieren immer erst Bands und deren Geschichte, bevor wir sie bei uns spielen lassen, und wenn Bands dabei sind, bei denen wir uns nicht sicher sind, spreche ich diese persönlich vorher an und lasse mir deren Standpunkt erklären, um dann zu entscheiden, ob sie bei uns spielen können oder nicht. Und was Gäste betrifft, wir gehen konsequent gegen rechtes/rechtsoffenes Publikum vor. Diese Leute lassen wir gar nicht erst rein, und falls doch einer erst drinnen enttarnt wird, fliegen sie sofort wieder raus. Leider rutscht immer mal einer mit durch, weil sich die Faschos auch als ganz normale Gäste tarnen, teilweise sogar als Punks oder Hardcore'ler kommen, was es uns, und auch vielen anderen Veranstaltern, nicht einfach macht diese aufzudecken. Um diese doch zu erkennen hole ich deshalb extra geschulte Szene-Securitys aus anderen Bundesländern vor Ort.

Abschließend will ich noch sagen, meine persönliche politische Einstellung und Konzert-Politik lässt sich so erklären: Ich laufe auf meinem WAY OF LIFE auf der linken Straßenseite immer gerade aus, biege weder extrem links, noch rechts ab.

Und allen, die weiter gegen uns und unsere Konzerte hetzen, möchte ich noch folgendes sagen: wir werden weiterhin Konzerte veranstalten, für ordentliche Infos und Tipps sind wir immer dankbar, aber eure Hetze und euer falsches Gerede schreckt uns nicht ab.

Glaubt nicht alles was ihr hört, informiert euch selbst und lasst uns in diesem und auch in den folgenden Jahren noch viele Feste ohne Nazi-Scum feiern.

Hochachtungsvoll,
Master Brille

 
 
© 2011 Pogorausch GbR • AGBDisclaimerWebmaster